Theos Stichpunkt Februar 1998

Linux lebt !

Als "Hochschul- und Studenten-Betriebssystem" ist die Freeware Linux für "gestandene" IT-Manager(innen) bisher nicht sehr attraktiv gewesen. War einfach zu billig! Und große Werbeetats sind für derartige freie Waren auch nicht drin. Linux scheint nach dem Motto "Was nichts kostet, kann auch nichts sein" sozusagen nicht so recht in die Marktwirtschaft zu passen. Soll etwa ein IT-Verantwortlicher zugeben, daß ein kostenloses Betriebssystem genauso gut sein kann, wie die bisher eingesetzten sündhaft teuren? Er hätte sein Gesicht verloren - und wie sollte er die bisherigen Ausgaben und sein fettes, statushebendes Budget verteidigen? Die psychologische Irreführung durch Kopplung von Preis und Qualität hat Vance Packard bereits im Jahre 1957 angeprangert (siehe Vance Packard "Die geheimen Verführer").

Sehen wir uns den PC an, der von den ersten Microchips bis zum Urtyp der heutigen PC Anfang der achtziger Jahre ebenfalls ein sehr unscheinbares Dasein führte. Sogar bis Ende der letzten Dekade wurden die PC noch als "Mickymauscomputer" belächelt. Der Durchbruch kam erst, als er nicht mehr die Domäne eines einzelnen Herstellers war. Die "IBM-kompatible" Architektur war in einer solchen Weise Allgemeingut geworden, daß selbst IBM den Einfluß darauf verlor und mit seinem Microchannel kläglich scheiterte. Linux hat eine ähnliche Entwicklung hinter sich. Das Betriebssystem ist dem studentischen Umfeld entwachsen und mittlerweile auch für kommerzielle Anwendungen geeignet. Es ist derzeit außer für die Intel-Plattform (i386 bis Pentium II) auch für DEC Alpha, SUN Sparc, den PowerPC und den Apple PowerMacintosh verfügbar. Durch den großen Bekanntheitsgrad bei der nachrückenden Generation und die breite Entwicklerplattform ist es zum Allgemeingut geworden wie seinerzeit die PC-Architektur. Über die Tatsache hinaus, daß für Linux sehr viele gute Systeme wie relationale und objektorientierte Datenbanken, graphische Oberflächen, Office-Systeme, Netz- und Web-Anwendungen und vieles mehr zur Verfügung stehen, hat sich die kommerzielle Softwareindustrie mit ihren Produkten mittlerweile ebenfalls dieser Plattform angenommen.

  • Datenbanken: Die Software-AG hat ADABAS auf Linux portiert und will ihr Engagement für dieses Betriebssystem noch weiter verstärken. Die SCO-Unix-Versionen von Informix und Oracle laufen mittels eines frei erhältlichen Zusatzes (iBCS2) unter Linux. Beide Firmen denken jedoch auch über eine spezielle Linux-Version nach.
  • Office-Produkte: Neben dem UNIX-Produkt Applixware sorgt das StarOffice-Paket für Text- und Tabellenverarbeitung, beide sogar mit Überleitung von und zu MS-Office.
  • Die Freeware SAMBA sorgt für File- und Printserver-Funktionen im Zusammenspiel mit MS-Windows/NT.
  • Web: Das Web ist eine der großen Domänen von Linux. Eine Reihe von Providern und Suchdiensten betreiben ihre Rechner unter diesem Betriebssystem. Mit dem freien Apache-Server steht hier der noch unangefochten beste Server bereit. Netscape hat seinen Browser (Navigator bzw. Communicator) bereits für Linux bereitstellt und beginnt, diesen Markt mit dem Fast-Track-Server weiter aufzurollen.
  • Siemens/Nixdorf (SNI) bietet als erster Markenhersteller eine Linux-Strategie mit dem SCENIC Celsius und begleitenden Seminaren.
  • SCO hat im Gegenzug sogar für sein eigenes UNIX-System einen Zusatz entwickelt, der es erlaubt, unter SCO-Unix Linux-Programme zu fahren.

Dies alles ist ein Beweis, daß Linux mittlerweile ernst genommen wird. Durch die Entwicklungen in den internationalen Hochschulen sowie das Engagement der Softwareindustrie kann mit Fug und Recht behauptet werden, daß Linux von den fähigsten Köpfen der Welt betreut und weiterentwickelt wird. Beim Einsatz in Firmen ist zu beobachten, daß Linux immer dort gewinnt, wo es um gute Kosten/Nutzen-Relation und nicht um das Prestige geht. Linux ist kein Betriebssystem für Manager, sondern für Unternehmer! Es wird dort eingesetzt, wo es nicht um die Verfügungsgewalt über ein großes Budget, sondern um einen im unternehmerischen Sinne guten Einsatz geht. In Deutschland realisieren und betreiben die Firmen Sixt und IKEA unternehmenskritische Anwendungen unter Linux. Abteilungen von Mercedes-Benz, eine Reihe weiterer Firmen und sogar viele Behörden sind auf diesen Zug aufgesprungen, vielfach klammheimlich, um der Marken-Lobby zugunsten des Nutzens zu entgehen.

Dieser kurze Überblick läßt Linux als Server-Betriebssystem im Datenbank- und Web-Umfeld geradezu als prädestiniert erscheinen. Ich sehe es als einzige wirklich breite Betriebssystemplattform an. Dieses System kann, wie die PC-Architektur, nicht durch den Federstrich eines einzigen Herstellers aus der Welt geschafft werden. Und so etwas bürgt in einer unbeständigen und durch Innovationskrisen geschüttelten Umgebung für Beständigkeit und Zukunftssicherheit.

Ihr Theo Saleck



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